Am 31. März findet auf der Kleinen Bühne Zofingen die erste von drei Aufführungen statt. Gespielt wird Eigenproduktion «Time Machine – The Passengers» durch den Jugendtheaterclub Toi Toi Toi. Ein Probenbesuch.

Berlin, 1730. Friedrich Wilhelm I., König in Preussen, hält eine Rute in der Hand und blickt seinen Sohn streng an. Der Kronprinz Friedrich II. wird beschuldigt, eine Liebesbeziehung mit seinem Jugendfreund Hans Hermann von Katte zu führen. Der Sohn wirft sich auf die Knie und ruft: «Aber Vater, ich liebe Hans!» Allen Bitten und Flehen zum Trotz beschliesst der König: Hans von Katte soll hingerichtet werden – vor den Augen seines Sohnes. Dann tritt ein Mädchen auf die Bühne und sagt, dass es heute besser stehe um die Rechte der Homosexuellen.

Diese Szene beruht auf einer historischen Begebenheit. Gespielt wird der bisweilen brutale König von einem Mädchen, Michaela, sein Nachfolger von einem Jungen, Nias. Zehn weitere Jugendliche stehen seitlich auf der Bühne oder sitzen im Publikum. Sie bilden die diesjährige Formation des Jugendtheaterclubs Toi Toi Toi. Der Club ist ein Angebot der Kleinen Bühne Zofingen für am Theaterspiel interessierte Oberstufenschülerinnen und -schüler im Raum Zofingen.

Michaela spielt Friedrich Wilhelm I., König in Preussen, und Nias spielt seinen Sohn, den Kronprinzen Friedrich II. (Bild: Ilir Pinto)

Sie bewegen sich bereits souverän in ihren Rollen. Doch während der Probe am Montagabend zeigt sich, dass die Texte noch nicht einwandfrei sitzen. Wenn eine oder einer einen Patzer macht, ist die Enttäuschung über sich selbst im Gesicht abzulesen. Kein Wunder, hier handelt es sich auch nicht um ein Schultheater, sondern um ein Freizeitangebot – die Jugendlichen müssen nicht, sie wollen Theater spielen. Doch es bleibt noch Zeit zum Proben; am Freitag in einer Woche findet auf der Kleinen Bühne Zofingen die erste von drei Aufführungen an aufeinanderfolgenden Tagen statt.

Während der Probe werden weitere Szenen aus der Geschichte gespielt, darunter auch der Mord an Jean Paul Marat, einer bedeutenden Figur der Französischen Revolution. Am 13. Juli 1793 wurde er in seiner Badewanne von einer Girondistin erstochen. In der Rolle des Marat tritt der 13-jährige Vordemwalder Matteo auf, während die 14-jährige Brittnauerin Céline die Mörderin Charlotte Corday spielt. Um ihre Rolle zu perfektionieren, muss Céline mehrmals auf Aufforderung des Regisseurs Robert Bühler leidenschaftlich «Vive les rois!» rufen.

Matteo spielt Jean Paul Marat, der in seiner Badewanne von Charlotte Corday erstochen wird. Die Girondistin wird von Céline gespielt. (Bild: Ilir Pinto)

Nach einer Stunde intensiver Probe läutet Regisseur Robert Bühler eine Pause ein, da den Jugendlichen die nachlassende Konzentration anzumerken ist. Bühler ist Theaterpädagoge aus Wikon und leitet seit sechs Jahren den Jugendtheaterclub Toi Toi Toi. Zusammen mit Cornelia Fluri aus Vordemwald, die seit 2017 die Organisatorin des Clubs ist, legt er grossen Wert darauf, dass die Jugendlichen eine Pause machen, sobald sich abzeichnet, dass eine nötig ist.

Robert Bühler hat das Drehbuch für die diesjährige Vorstellung des Jugendtheaterclubs Toi Toi Toi selbst verfasst. Für das Stück hat er auch Szenen aus der Weltliteratur verwendet, die er wie die historischen ebenfalls für das Stück abgeändert hat. Dazu gehören Texte aus Werken von Jean-Paul Sartre, einem der einflussreichsten Existenzialisten des 20. Jahrhunderts, sowie von William Shakespeare, dem berühmten englischen Schriftsteller und Dichter.

«Bei unserem ersten Treffen im vergangenen September hatten die Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Ideen für das Stück einzubringen. Es gab viele Vorschläge, darunter auch den Wunsch, das Thema Krieg aufzugreifen», erklärt Bühler. Seitdem wird jeden Montagabend geprobt, und in dieser und der kommenden Woche sogar noch häufiger, da die Aufführungen immer näher rücken.

Kann man die Vergangenheit ändern?

Wozu dienen jedoch die dem Publikum zeitlich durcheinander präsentierten Fragmente? Der Name des Theaterstücks «Time Machine – The Passengers» lässt bereits erahnen, dass es um eine Zeitmaschine geht. Diese wird von den vier Figuren Elena, Maximiliane, Leandro und Frederik, den Zeitreisenden, gebaut. Zusammen brechen sie in die Vergangenheit auf und treffen auf sogenannte Meta-Mutanten, Wesen, die in den Wurmlöchern zwischen den Zeiten lauern und unendlich viele Formen annehmen können. Dadurch entsteht schnell die Frage, ob die Vergangenheit beeinflusst werden kann.

Die Jugendlichen der diesjährigen Formation des Toi Toi Toi zeigen keinerlei Scheu davor, anspruchsvolle Themen anzupacken. Das Publikum wird zum Nachdenken angeregt. Trotz der Schwere des Themas enthält das Stück eine Menge an Witz und Ironie, was dazu beiträgt, das Ganze etwas aufzulockern. Es ist ermutigend zu sehen, dass es Jugendliche gibt, die sich tiefgründige Gedanken zur Zukunft der Menschheit machen.

Die Jugendlichen der diesjährigen Formation des Jugendtheaterclubs Toi Toi Toi beeindrucken durch ihr grosses Engagement. (Bild: Ilir Pinto)