Im Kunsthaus Zürich treffen die Werke von Matthew Wong und Vincent van Gogh aufeinander. Zwei Künstler, die in der Malerei Zuflucht fanden und darin ihre inneren Kämpfe offenbarten.
Auf der Grundlage realer Beobachtungen malte Vincent van Gogh vor allem Landschaften und Porträts. Ganz anders Matthew Wong: Der Kanadier liess häufig surrealistische und symbolische Elemente in seine Bilder einfliessen. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen und stilistischer Unterschiede weisen die beiden Künstler einige Gemeinsamkeiten auf: Sie beide kamen erst im Alter von 27 Jahren zur Malerei, ihre Arbeiten zeugten oft von inneren Konflikten und sie nahmen sich Mitte 30 das Leben.
Van Gogh litt zeitlebens unter schweren seelischen Erkrankungen, die sich unter anderem in tiefen Depressionen und impulsiven Handlungen äusserten. Bei Matthew Wong zeigte sich ein ähnlich tragischer Kampf mit seiner Psyche: Er litt unter Depressionen, Autismus, chronischen Schmerzen und dem Tourette-Syndrom.
Was ihn wiederum von Van Gogh unterschied: Wong erlangte noch zu seinen Lebzeiten grosse Anerkennung in der Kunstwelt. Er erlebte es aber nicht mehr, wie seine Gemälde Seite an Seite mit solchen des grossen Meisters präsentiert wurden: Das Kunsthaus Zürich stellt Werke der beiden Maler aus, um die künstlerischen und biografischen Parallelen zwischen ihnen aufzuzeigen, die sich beide durch eine dynamische und farbintensive Malweise auszeichneten.
Das Gemälde «A Dream» (Ein Traum – Bild 1) von Matthew Wong sticht besonders hervor. Es zeigt einen Pfad, der von dunklen Bäumen und Sträuchern gesäumt ist und zu einem lichtdurchfluteten Ufer führt. Im glitzernden Wasser spiegelt sich die Abendsonne. Das Ölgemälde erweckt ein Gefühl von Sehnsucht: In der Düsternis winkt aus der Ferne die Erhabenheit. Durch das in bläulichen Tönen gehaltene Gehölz, das sich sanft nach oben windet und streckt, wirkt das Bild surreal. Matthew Wong malte es im Jahr 2019 und starb noch im selben Jahr.
Die kräftigen Farben und wellenartigen Schwingungen erinnern ein wenig an Werke von Vincent van Gogh. Dessen «Sternennacht» (1889) ist weltberühmt. Das gleichnamige Werk «Starry Night» von Matthew Wong ist eine Hommage daran, wie an der Ausstellung im Kunsthaus Zürich bestätigt wird (van Goghs Original hängt allerdings im Museum of Modern Art in New York City).
Wongs Version ist anders: Wie viele seiner Gemälde ist es ruhig und kontemplativ. Es zeigt eine idyllische Landschaft mit einem dunklen See, in dem sich eine Schar von Sternen widerspiegelt. Die Malerei scheint ein Mittel gewesen zu sein, mit dem Matthew Wong eine Ruhe inmitten seiner inneren Kämpfe und Zerrissenheit fand.
Ilir Pinto
Erfahrung in Journalismus und Kommunikation sowie in der Kreation multimedialer Inhalte mit crossmedialer Umsetzung. Sprachlich und analytisch reflektiert, kreativ und konzeptionell denkend sowie präzise und zuverlässig arbeitend.
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